ART & LANGUAGE UNCOMPLETED

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Die Fotostrecke der Kulturelemente 118 zeigt Smartphoneaufnahmen von Hannes Egger, die er anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „ART & LANGUAGE UNCOMPLETED The Philippe Méaille Collection“ im MACBA in Barcelona geschossen hat. Die Fotos bezeugen den Versuch, analytische Sprache museal zu inszenieren.

ART & LANGUAGE
UNCOMPLETED

Hannes Egger

Das MACBA in Barcelona zeigt aktuell die Ausstellung „ART & LANGUAGE UNCOMPLETED The Philippe Méaille Collection“. Die Sammlung umfasst vor allem Art and Language Werke ab den 1960er Jahren Jahren, von Künstlern wie Terry Atkinson, David Bainbridge, Michael Baldwin, Ian Burn, Charles Harrison, Joseph Kosuth, Philip Pilkington, Mel Ramsden und Dave Rushton. Der Sammler Philippe Méaille bemühte sich, konsequent ästhetische Aspekte negierend, das Augenmerk auf die archäologische Perspektive von Art & Langauge zu richten. Viele der Werke bestehen aus Notizen auf Papier, handgeschriebenen oder maschinengeschriebenen Manuskripten, Layouts und Drucken. Die Konzentration auf die frühe Phase von Art & Language zeigt eindrucksvoll, wie die analytische Philosophie diese spezifische Kunstrichtung nicht nur inhaltlich sondern auch formal beeinflusste. So scheinen viele der Werke direkt aus dem Setzkasten des Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein gefallen zu sein. Kuratiert oder besser gesagt inszeniert wurde die Ausstellung von den Künstlern Michael Baldwin und Mel Ramsden, die selbst zentral in der Sammlung vertreten sind.

Sie haben sich damit beschäftigt, wie es möglich ist, eine Sammlung, die vor allem aus kleinen Papierarbeiten mit Texten darauf besteht, die zum Teil kaum entzifferbar und gleichzeitig hoch abstrakt bzw. philosophisch sind, in eine für das Publikum attraktive Museumsausstellung zu verwandeln. Im ersten Raum der Schau sind in Vitrinen die originalen Arbeiten, vielfach briefmarken- oder postkartengleich, ausgestellt. Der Rest der Ausstellung ist geprägt von einem eher didaktischen oder szenografischen Zugang, bei dem Texte aufgeblasen an die Wand gedruckt sind, und der aus Texten Videos entstehen lässt, in welchen diese gelesen oder mit einer Jazzband gesungen werden. Einige der Manuskripte sind real ausgeführt worden, so finden sich z.B. die auf dem Papier zitierten Fahnen im Ausstellungsraum von der Decke wehend, eine Reihe von in bestimmten Abständen und Größen angeordnete Spiegel, oder ein weißer Raum, in dem die Temperatur von einer Klimaanlage konstant gleichgehalten wird – es ist beim Betreten eine gleichsam verstörende als auch schöne und poetische Erfahrung, in dem besagten Raum ist es etwas kühler als in der Ausstellung, die Klimaanlage fungiert als anwesendes-abwesendes Objekt, das mit ihrem leisen Summen alle Aufmerksam auf sich bündelt.

Spannend sind die bei der Eröffnung der Ausstellung am 19. September 2014 aufgenommen Fotos insofern, als dass sie einen mutigen, museal-inszenierenden Umgang mit Texten zeigen, der nicht immer gelingt, in seinem Ansatz aber das Potenzial des Textes, des Denkens in Sprache, hervorbringt und im Raum sichtbar macht, sozusagen als dreidimensionale Schrift.

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